„Frieden ist zärtlich“

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1984 wurde Marianne in die Akademie der Bildenden Künste in Berlin berufen, der sie bis zu ihrem Tod als Mitglied der Sektion Film und Medienkunst angehörte. Eine große Ehre, und eine wichtige Aufgabe.

Aus der Satzung: "Die Akademie der Künste ist eine von der Bundesrepublik Deutschland getragene Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie hat die Aufgabe, die Künste zu fördern und die Bundesrepublik Deutschland in Angelegenheiten der Kunst und Kultur zu beraten. Als eine internationale Gemeinschaft von Künstlern beruft die Akademie in geheimer Abstimmung Mitglieder, deren Werk auf dem Gebiet der Bildenden Kunst, der Baukunst, der Musik, der Literatur, der Darstellenden Kunst sowie der Film- und Medienkunst anerkannt wird. Dabei handelt es sich um Persönlichkeiten, die die Kunst ihrer Zeit prägen und von denen erwartet wird, dass sie an den Aufgaben der Akademie mitwirken."

Marianne hat sich in die Akademie unter anderem mit Workshops und Seminaren eingebracht: "Der Faschismus in uns", "Sind wir nur mehr Voyeure und Tele-Kommunikateure?", "Angst essen Seele auf – vom Primatenhirn zum kreativen Vorderhirn".

Zwei abendfüllende Kinospielfilme hat Marianne gemacht, den bereits erwähnten "Peppermint-Frieden" und "Lilien in der Bank". Davon kann man natürlich nicht Leben, sie hat deshalb hauptsächlich Filme fürs Fernsehen gedreht, Dokumentarfilme wie TV Spielfilme, viele davon gemeinsam mit ihrem Mann Gérard. Es würde hier viel zu weit führen, alle Arbeiten aufzuzählen, nur ein paar Beispiele: "Alice im Männerland oder tödlich gilt nicht" (ZDF 1984), "Sonntagskind oder der Umstände halber" (1987, ich meine, das sei auch ZDF gewesen),  "August Mackes letzte Reise" (1987 für den WDR), zudem Beiträge für das ZDF-Frauenmagazin Mona-Lisa: "Was wäre, wenn der Frieden ausbräche", "Geburt", "Gibt es weibliche Energie?", "Hüterinnen der Erde" – die Titel lassen ahnen, worum es geht. Aufklärende und warnende Filme zu ökologischen Themen hat Marianne bereits zu einem Zeitpunkt gedreht, als das Wort 'Klimakatastrophe' noch unbekannt war und nur ein paar Spezialisten über drohende Trinkwasserknappheit auf unserem Planeten sprachen.

Selbst bei Magazinbeiträgen, die in der Branche oft etwas abfällig als 'Brotarbeit' bezeichnet werden, hat Marianne größten Wert auf die filmische Gestaltung gelegt. Solche durchgestalteten Beiträge waren damals  selten, weil sie viel Arbeit machen, die nicht extra bezahlt wird, heute sind sie vollkommen aus den Fernsehprogrammen verschwunden.

Drei Filme möchte ich noch erwähnen, alle drei mit und über den Sänger, Pianisten und Komponisten Konstantin Wecker, der heute gerne gekommen wäre und gespielt hätte, er ist leider durch eine längst geplante Tournee verhindert.

Das war 1983 der Film 'Im Namen des Wahnsinns' über ein total ausverkauftes Konzert Weckers im Münchner Zirkus Krone. Ich erinnere mich gut, ich habe damals eine der vier Kameras bedient, mit denen das Konzert aufgenommen wurde. Der Film kam auch ins Kino.

Im selben Jahr hat Marianne den Dokumentarfilm "Begegnung Joan Baez - Konstantin Wecker' für das Bayerische Fernsehen gedreht.

Einen weiteren  Film hat Marianne mit Konstantin Wecker gemacht, ein Portrait, 1998, kurz vor ihrem Tod. "Nur nicht ungefähr" lautete der Titel. Also: nie lau sein, unbestimmt oder anpaßlerisch. Immer die Dinge klar benennen. Gedanken anstoßen und sich Diskussionen stellen. Da waren sich Marianne Rosenbaum und Konstantin Wecker Geschwister im Geiste. Wecker hat für wenigstens vier von Mariannes Filmen die Musik komponiert.

Marianne hat nicht nur an Filmprojekten gearbeitet, die dann finanziert und realisiert werden konnten. Sie hat auch Drehbücher und Exposés geschrieben, die anschließend in der Schublade landeten. Es gibt eine Faustregel in der Film- und Fernsehbranche: von 10 eingereichten Projekten werden höchsten zwei umgesetzt.

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